|
Die Krimi-Komödie "Zum Henker mit den Henks"
Mordhandwerk als Familientradition
Einen Beigeschmack von Wahrheit hat das Wort "Familienbande" einem Aphorismus von Karl Kraus zufolge. Weit über den bloßen Beigeschmack hinaus trifft dieser Begriff auf die Familie Henk zu, deren Wirken sich jetzt der Theaterverein Gillbachbühne gewidmet hat. Kriminelle Energie in ihrer reinsten Form ballte sich am Wochenende auf der Bühne der zum Theatersaal umfunktionierten Turnhalle.
Das begeisterte Publikum geizte am Ende nicht mit Applaus für den Zweiakter des Briten Norman Robbins. "Zum Henker mit den Henks" , so der Titel der schwarzen Krimi-Komödie, bleibt spannend bis zum Schluss, wobei Regisseur Helmut Schmitz die bereits im Stück selbst angelegten falschen Fährten durch den einen oder anderen Kniff noch etwas ausbauen und vertiefen konnte. Seit 400 Jahren gehen die Henks dem Mordhandwerk nach, dass, wie sich im Verlauf der Handlung zeigen wird, auch in den Seitenlinien der weit verzweigten Familie beherrscht wird.
Auf die Schliche gekommen ist ihnen Familien-Anwalt Mortimer Crayle (Helmut Zilliken), der nicht zuletzt darunter leidet, dass seine Notargebühren nur einen Bruchteil des von den Henks "zusammengemordeten Vermögens" ausmachen. Als sich die feine Familie in einem baufälligen Landsitz mitten im stilecht schaurigen Moor wegen einer Erbschaftsangelegenheit versammelt, wittert der Anwalt seine Chance. Doch er verschwindet als erster von der Bühne - wobei den Zuschauern lange vorenthalten wird, ob er einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist.
An Gier nicht nach steht dem Anwalt sein Sekretär Joe Mapleton (Bernd Bausen), der allerdings seine allzu gering ausgeprägten konspirativen Fähigkeiten vornehmlich durch Arroganz gegenüber dem Personal kompensiert - Edna Honeywell (Christa Korschefksy) und Larry Lewiss (Herbert Schroers) kommt (fast) durchgängig der komische Part im Stück zu. Über viele unangenehme Eigenschaften verfügt auch die Familie selbst, die sich zudem durch höchst individuelle Macken auszeichnet.
Dies gilt etwa für Octavia Henk (Monika Weitz), deren intensiver Kontakt zu den Geistern verstorbener Familienmitglieder sie zwar vor Mapletons Messer, aber nicht vor der tödlichen Pistolenkugel bewahren kann, mit der kurz vor Ende des ersten Akts das muntere Morden beginnt: Gearbeitet wird mit reinem Nikotin, unbekömmlichem Spray, dem Dolch, Schusswaffen und mit per Giftpfeil verschossenem Curare.
Insbesondere die weiblichen Familienmitglieder - Henrietta (Rita Bauer) und Athene (Ulla Dzinbala) vor allem Familien-Vamp Fabia Henk (Ingrid Schmitz) - verspritzen ihr Gift zunächst jedoch nur per Mundwerk. Angesichts des "munteren Damenkränzchens" pocht Augustus Henk (Jochen Steinbis) vergebens auf seine kaum vorhandene und sich zunehmend verflüchtigende Autorität, bis auch ihn ein Messer dahin rafft.
Ins Bett und anschließend ins Jenseits befördern möchte Fabia den wie per Zufall ins Haus geschneiten "Kinderclown" Larry Lewiss (Hansi Engels) - ein Vorsatz, der jedoch wie manch anderer zunichte gemacht wird. Am Schluss bietet das Stück noch einige Überraschungen. Es zeichnet sich eine Lösung ab, mit der aber nur die wenigsten rechnen konnten. S. M.
[Quelle: Neuss-Grevenbroicher-Zeitung vom 6.1.2003] |