Gillbachbühne in bester Loriot-Laune
In gewisser Hinsicht war es natürlich ein Wagnis: In den bisher 20 Jahren ihres Bestehens auf Boulevard-Komödien abonniert und beim Publikum damit stets bestens gefahren, präsentierte die Gillbachbühne diesmal Loriot. Die Gillbachbühne spielt in ihrer 20. Spielzeit in der Turnhalle Sketche von Loriot, vom Publikum dankbar aufgenommen und mit viel Beifall bedacht. NGZ-Foto: M. Reuter
Unter dem Titel „...noch’n Sketch“ standen 13 Mini-Dramen des Großmeisters des Humors auf dem Programm. Mögen Skeptiker zunächst in Loriotscher Manier mit einem mokanten „Ach“ reagiert haben, dürfte sie die rundum gelungene Inszenierung, die jetzt Premiere hatte, wirksam ruhig gestellt haben.
Gelegenheit, sich aus eigenem Augenschein zu überzeugen, dass das Experiment , diesmal ganz auf pointierte Dialoge zu setzen, erfolgreich verlaufen ist, haben diejenigen, die Karten für die beiden noch ausstehenden Vorstellungen besitzen. Beginnen werden sie am kommenden Freitag um 20 Uhr sowie am Samstag um 19 Uhr.
Eine Imitation Loriots war ohnehin nicht beabsichtigt, wie Regisseur Helmut Schmitz und Bühnenchef Herbert Schroers schon vorab deutlich gemacht hatten, und die Texte selbst sind halt nicht davon abhängig, dass sie unbedingt von ihrem Autor selbst gesprochen werden müssen.
Zur geflissentlichen Benutzung für die Bühne lädt nicht zuletzt der Umstand ein, dass Loriots dramatische Werke seit Jahr und Tag in Buchform vorliegen, wobei sich sämtliche 13 von der Gillbachbühne gespielten Sketche in dem Sammelband „Das Frühstücksei“ finden, der 2003 anlässlich von Loriots 80.Geburtstag erschien.
In der mittlerweile zum zehnten Mal zum Theatersaal umfunktionierten Turnhalle gab es ein Wiedersehen mit alten Bekannten, deren Treiben sich auch in veränderter Besetzung zum 30. oder 40. Mal mit unvermindertem Vergnügen zuschauen lässt.
Dr.Klöbner und Herr Müller-Lüdenscheidt - diesmal nicht als Zeichentrickfiguren, sondern von Manfred Schmitz und Hansi Engels dargestellt - gaben sich ebenso ein Stelldichein wie der bei den insgesamt fünf Aufführungen sowohl von Bernd Bausen als auch von Helmut Zilliken gespielte Erwin Lindemann, dessen Tochter im Herbst mit dem Papst eine Herren-Boutique in Wuppertal eröffnet.
Viele, wenn nicht die meisten Sketche Loriots illustrieren die gern verborgene Erkenntnis, dass die Zivilisation halt doch nur einen dünnen Firnis bildet, unter dem nicht selten der blanke Unsinn sein Unwesen treibt. Geradezu klassisch demonstriert wird dies beim Streit um den „Kosakenzipfel“ , aber auch die beiden „Herren im Bad“ mit ihrem Scharmützel um die Plastikente sind ein überaus beweiskräftiges Exempel.
Die Versklavung durch den Fernseher ist auch dadurch kaum zu lockern, dass die Glotze kaputt ist: Zu Bett gegangen wird nach den Spätnachrichten, denn wer lässt sich schließlich schon von einem defekten Gerät seine Gewohnheiten vorschreiben. Eine Sparmaßnahme, auf die Politiker aus unerfindlichen Gründen bislang noch nicht verfallen sind, hat Loriot mit dem wohl schon in den 70-er Jahren entstandenen „Wahlplakat“ vorgeschlagen.
Für die jeweiligen Parolen reicht eigentlich ein einziger, je nach Bedarf gestylter, Aufsager , der dann anschließend auch gleich die Wurst-Werbung mit erledigen kann. Zum 20. Geburtstag der Gillbachbühne sollten so viele Schauspieler wie möglich zum Einsatz kommen und die bestellte „Kalbshaxe Florida“ bietet im abschließenden Sketch „Schmeckt’s?“ allen 14 Darstellern sogar die Möglichkeit zum gemeinsamen Auftritt. (S.M.)
[Quelle: NGZ-Online]
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